Tool: Purpose-Aufstellung

Warum?

Das Purpose Listening in Form einer Aufstellung durchzuführen, kann ein sehr hilfreicher Weg sein, um sich sowohl auf das Hinterfragen einzulassen, als auch einen Wahrnehmungsraum zu schaffen, der die rationale Intelligenz einzelner Personen oder Teams bündelt und kollektive Intelligenz ermöglicht. Dies kann helfen Purpose-Prozesse radikal zu vereinfachen und komplexe Fragen durch die entstehenden Bilder rasch zu vereinfachen und zu klären.

Durch Purpose-Aufstellungen kann sich eine Organisation Klarheit über ihr Zukunftspotenzial verschaffen, wirksame Hebel erschließen, um dieses Potenzial zu erreichen und sich somit im Flow in die Welt der Zukunft begeben. Durch die Platzierung von Elementen im Raum werden deren Positionen, so auch des Purpose und der Stakeholder der Organisation, ersichtlich. Dadurch lassen sich über Nähe und Distanz sowie die durch Repräsentanten zum Ausdruck gebrachten Empfindungen Spannungsfelder erkennen. Nähe ist harmonisch, Distanz dissonant.

Beispiel

Ein Software-Anbieter mit rund 200 Mitarbeitenden hat sich zu einer Kultur-Transformation entschieden, um in Folge einer neuen Strategie für das Geschäft einerseits den Kundenfokus zu schärfen und andererseits als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben für neue Talente. Nachdem die Ist-Erhebung von Purpose und Kultur durch Story Sourcing und Story Mapping abgeschlossen war, entschied sich das Transformations-Team für ein Purpose Listening in Form einer Purpose-Aufstellung, um ein klares Zukunftsbild für die Organisation zu ermitteln, auf das der weitere Transformationsprozess hin ausgerichtet werden konnte.

Worauf es ankommt

Um eine Purpose-Aufstellung erfolgreich durchzuführen, ist es wichtig einige Dinge zu beachten:

Regel 1: Bestimmen Sie eine/n Moderator:in, zu der/dem in der Gruppe ein Vertrauen herrscht, um einen kommunikativen Raum zu gestalten, der eine Öffnung auch für kritische oder unangenehme Dynamiken erlaubt.

Regel 2: Achten Sie in der Moderation darauf, dass pro Runde jeweils alle Elemente zu Wort kommen und aus der Reihenfolge der aufgerufenen Elemente eine Geschichte entsteht.

Regel 3: Das Hineinhören in die Elemente findet anhand von Fragen statt wie: Wie ist die körperliche Wahrnehmung des Elements? Wie beschreibt das Element sein Denken, Fühlen und Handeln? Wie beschreibt das Element seine Beziehung zu anderen Elementen? Ist es eher eine angenehme oder eine unangenehme Situation? Was fehlt? Gibt es noch etwas, das zu beachten ist?

Regel 4: Neben Ruhe und Konzentration kommt es auf eine klare Rollenverteilung und eine Vereinbarung zu Kommunikation an:

  • Repräsentanten: Tauchen Sie in Ihre Rolle ein; betreten Sie den Raum ganz bewusst
  • Beobachter: Hören auf die Erkenntnisse, die sich aus dem Beobachten ergeben.
  • Sprechen Sie der Reihe nach – dem jeweiligen Aufruf der Moderation folgend.
  • Versuchen Sie neutral zu bleiben und entstehende Urteile und Wertungen auszusetzen.
  • Achten Sie auf die Fragen, die sich Ihnen stellen.
  • Konzentrieren Sie sich auf das, was wichtig ist.
  • Verlassen Sie sich auf den Flow, der entsteht.

Schritt für Schritt

Planung der Aufstellung:

  1. Bestimmen Sie eine:n Moderator:in für die Aufstellung, die in der Regel auch den weiteren Ablauf der folgenden Punkte in die Hand nimmt.
  2. Setzen Sie immer zuerst ein klares Ziel für die Purpose Aufstellung. In unserem Beratungsprozess hat sich die Zielsetzung in Fragenform bewährt – zum Beispiel in Form einer „How Might We“-Frage, etwickelt von dem Stanford Crowd Research Collective. Bei dieser Art von Fragen geht es darum im übertragenen Sinnen einen Samen zu pflanzen, aus welchem organisch Zukunft entstehen kann. Die HMW-Frage im Rahmen einer Purpose-Aufstellung kann mehreren Zwecken dienen, wie zum Beispiel Positives verstärken, Negatives entfernen, das Gegenteil entdecken oder Annahmen hinterfragen. Eine Beispielfrage könnte lauten: „Wie könnten wir den Purpose der XY-Organisation relevant machen für die tägliche Arbeit?“
  3. Legen Sie die für die Aufstellung benötigten Elemente fest. Diese können sowohl beteiligten Personen und Organisationen als auch abstrakten Elemente umfassen. Oft verwendete Beispiele für eine Purpose-Aufstellung sind:

    Personen:

    CEO, Top-Management, Mitarbeitende, Kunden, Journalisten

    Organisationen:

    Politik, Gesellschaft, NGOs

    Abstrakte Elemente:

    Individueller Purpose, evolutionärer Purpose (u.U. gesplittet in die Elemente des Beitrags und der Wirkung), Kultur-Prinzipien und Werte wie „Kundenfokus“ oder „Empathie“, konkrete Herausforderungen sowie das Element „Was fehlt“.
  4. Verteilen Sie die Rollen:  Repräsentanten und Beobachter – und besprechen Sie mögliche Hindernisse und Stolpersteine, die im Verlauf der Aufstellung zu erwarten sind.
  5. Entscheiden Sie sich für die Aufstellungsform: Offen (Repräsentanten und Beobachter wissen, welche Person welches Element vertritt) oder verdeckt (nur der Moderator kennt die Verteilung der Elemente), virtuell (über einen Video-Call in Kombination mit virtuellem Whiteboard) oder physisch.
  6. Durchführung der Aufstellung:Eine Purpose-Aufstellung hat zum Ziel Klarheit über den evolutionären Purpose einer Organisation und der ihr zugehörigen Individuen zu gewinnen. Als Prozess zur Beschreibung einer Evolution eignet sich zum Beispiel die Theorie U. Im Folgenden empfehlen wir eine Durchführung in drei Schritten, die sich an den Schritten des Sensing, Presencing und Prototyping der Theorie U orientiert:
    1. Raum 1 (45min): Im ersten Raum anerkennen Sie die heutige Situation, wie sie ist. Die Elemente stellen sich so auf, wie sie die Ist-Situation wahrnehmen. Somit entsteht ein Wir-Raum mit Beziehungen auf Augenhöhe, in dem die aktuellen Spannungen sichtbar werden.
    2. Raum 2 (45min): Ausgehend von der Konstellation in Raum 1 werden die Elemente nun gebeten das Zukunftspotenzial sichtbar werden zu lassen: Wie stellt sich eine Zukunft dar, in der ein gemeinsames Verständnis von Purpose, Intention und Arbeitsprinzipien vorliegt? Die Elemente fragen sich, was es braucht, um das bestmögliche Ganze sein zu können – und wie eine Reise in diesen Zustand hinein ablaufen könnte.
    3. Raum 3 (45min): Im anschließenden Prototyping-Raum geht es darum die emergente Zukunft in Bausteinen sichtbar werden zu lassen. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht diese kreative Phase direkt in einen Aufstellungs-Sprint mit einzubauen und durch Ideation-Methoden zu unterstützen. Geeignete Methoden hierzu finden Sie beispielsweise in dem Lean Startup-Rahmenwerk.
    4. Review (30min): Schließen Sie ab mit einer Reflexion: Was in der Purpose-Aufstellung lief gut? Was lief nicht gut? Was werden wir beim nächsten Mal anders machen?

Wichtige Hilfen

Rahmenbedingungen

Dauer ca. 2-3 Stunden, je nach Vorbereitung der Session (bitte mit Timeboxing für die drei Aufstellungsschritte arbeiten)
Formatvirtuell (z.B. gemeinsames Arbeiten an einem Online-Whiteboard während einer Videokonferenz) oder persönlich in einem geeigneten Raum
TeilnehmerTeam von mindestens 6-8 Mitgliedern (nach oben keine Grenze), um die Elemente sinnvoll auf Repräsentant: innen zu verteilen