Tool: Sensemaking Sessions

Warum?

Komplexe Situationen zeichnen sich dadurch aus, dass es kaum durchschaubare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt, sondern es eher darum geht, Sinn aus einem scheinbaren Durcheinander zu gewinnen. Wer die Bewegungen in einem lebendigen Organismus verstehen möchte, sollte sich in diesen hineinbegeben und versuchen hinter die Kulissen von Fakten zu schauen. Erst im Austausch mit anderen beginnt man deren Perspektiven zu verstehen und hat die Chance sich selbst in vielschichtige Zusammenhänge hinein zu versetzen. Auf diesem Weg entsteht „Warm Data“ – Zahlen, die leben und die mit Sinn und Geschichten angereichert werden. Diese Sinnfindung kann nicht an Komitees und Expertengremien ausgelagert werden, sondern findet in direktem Austausch, in direkter Kommunikation zwischen denjenigen stattfinden, die sich in einem virtuellen oder physischen Raum zusammenfinden. Einen Sinn in komplexen Fragestellungen findet man nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Kommunikation selbst. Diesem Zweck folgen unsere Sensemaking Sessions.

Beispiel

Ein Team von Studierenden hat sich im Rahmen eines Semesterprojekts zum Ziel gesetzt, ein größeres Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit zu schaffen – anhand des Beispiels Verpackungsmüll.

Motiviert durch den jeweiligen individuellen Purpose der Teilnehmer:innen fiel die Entscheidung, diverse Stakeholder zu diesem Thema in einem Kommunikationsraum zu versammeln. Dieser sollte mehr als ein bloßer Raum für Kommunikation werden und die Möglichkeit zur sinnstiftenden Begegnung von Menschen bieten. In einem virtuellen Austausch sollte die Möglichkeit zum Dialog und zur Diskussion eröffnet – und gleichzeitig ein kreatives Moment geschaffen werden, aus dem heraus alle Teilnehmer:innen an der Veranstaltung ein Potenzial für eigenes wirksames Handeln erkennen sollten.

Worauf es ankommt

Sensemaking Sessions sind einfach strukturiert, erfordern dennoch Disziplin, nämlich beim Loslassen: Den Sinn aus einer Information im Austausch zu finden, erfordert Abstand zu nehmen von dem Ansatz, dass eine Weitergabe von Informationen schon ausreicht, um kommuniziert zu haben. Nach diesem Muster laufen weiterhin viele Management-Informationen, Presse-Mitteilungen und Social-Media-Posts ab: Wenige Experten bereiten faktisch korrekte Informationen vor, die andere im Wesentlichen nur konsumieren. Die Interpretation der Informationen wird der Leser:in überlassen.

Während dies bei einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen durchaus ein effizienter Weg der Informationsverbreitung sein kann, führt er bei komplexen Themen und Sachverhalten direkt ins Nirvana: Mitarbeitende fühlen sich verloren. Kunden verlieren das Vertrauen. Klimaschützer gehen auf die Barrikaden. Denn es fehlt der Austausch zwischen Menschen, in dem Beobachtungen geteilt und kalte Fakten aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden.

Sensemaking Sessions erfordern loszulassen vom Privileg der Informationsverbreitung – und stattdessen einzutauchen in eine lebendige Sinnfindung unter Einbindung multipler Stakeholder.

Schritt für Schritt

  1. Wählen Sie ein komplexes Thema für die Sensemaking Session, wie zum Beispiel „ökologische Nachhaltigkeit“.
  2. Laden Sie eine Gruppe von ca. 20-40 Stakeholden zu diesem Thema ein – physisch vor Ort bei Ihnen oder im Rahmen eines virtuellen Calls mit Kamerafunktion.
  3. Bereiten Sie entweder Tische oder Breakout-Räume mit 4-6 Teilnehmern vor.
  4. Stellen Sie das Thema im Plenum vor und leiten Sie die Diskussion anhand einer Frage ein. Muster für geeignete Fragen finden Sie weiter unten in den Templates. Beispiel: „Was ist wesentlich bei ökologischer Nachhaltigkeit?“
  5. Danach finden an den Tischen bzw. in den Breakout-Räumen drei Runden von Diskussionen mit wechselnden Teil-nehmer:innen statt (optional: verteilen Sie mit der Methode vertraute Mitarbeiter:innen als Moderator:innen in die Gruppen):
    1. Runde 1: 20 Minuten Teilen von Geschichten und Beobachtungen zu den jeweiligen Kontexten
    2. Runde 2: 15 Minuten in anderer Besetzung / zu neuen Kontexten
    3. Runde 3: 10 Minuten Diskussion
  6. Freies, ergebnisoffenes Teilen der Beobachtungen von den Tischen und aus den Breakout-Räumen.

 

Wichtige Hilfen

Rahmenbedingungen

Dauer 90 Minuten bei stringenter Vorbereitung und Moderation im Online-Format
Formatvirtuell oder persönlich in einem geeigneten Raum
Teilnehmerca. 20-40 diverse Stakeholder zu einem geschäfts-relevanten Thema

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