
Letzte Woche haben wir mit Professor Joep Cornelissen von der Rotterdam School of Management die Ergebnisse des Culture Compass 2026 präsentiert. 540 Fachleute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.
Eine Zahl fand ich besonders interessant: 91% nennen Kommunikation als wichtigste Fähigkeit für den persönlichen Erfolg.
Nicht KI-Wissen. Nicht Datenanalyse. Nicht Entscheidungskompetenz.
Kommunikation.
Zuerst dachte ich: Das ist doch ein alter Hut. Dann sah ich die Daten genauer an – und verstand, warum das hier anders gelesen werden muss.
🎙️ Du hörst des Newsletter lieber? Hier eine kurze, KI-generierte Audio-Zusammenfassung dieser Ausgabe:
Warum zu viel Harmonie die KI sabotiert
Warum Kommunikation zum Betriebssystem wird
In unserer Auswertung für die Schweiz und Liechtenstein zeigt sich folgendes Muster:
28.2% der Befragten nennen “mangelnde klare Kommunikation” als zentrale Bremse für Veränderung. Aber noch spannender ist, was daran hängt:
34.0% sagen: Unsere gelebte Realität passt nicht zu unseren Werten.
35.0% sagen: Hoher Arbeitsdruck und kurzfristiger Fokus dominieren.
Das sind keine einzelnen Probleme. Das sind Folgefehler, wenn das Betriebssystem nicht reibungslos funktioniert.
Stell dir Kommunikation wie das Betriebssystem deines Unternehmens vor. Wenn Windows abstürzt, hilft die beste Software nichts. Wenn Kommunikation stockt, helfen die besten Strategien nichts.
In der Schweiz bedeutet Kommunikation:
Wer darf was entscheiden – und wann ist “genug” abgestimmt?
Sind Schnittstellen klar – zwischen Abteilungen, Standorten, Sprachen?
Werden Missverständnisse früh erkannt – bevor sie Qualität, Haftung oder Zeit kosten?
Kommunikation ist Koordination. Nicht Befindlichkeit.
Warum das für KI-Erfolg entscheidend ist
Vor ein paar Tagen hat Anthropic den Economic Index 2026 veröffentlicht. Eine Zahl daraus: 0.92 – fast perfekte Spiegelung zwischen der Qualität deiner Eingabe und der Qualität der KI-Antwort.
Wenn du strukturiert fragst, bekommst du strukturierte Antworten. Wenn du vage fragst, bekommst du Oberfläche.
Sprachmodelle arbeiten mit Sprache. Die Schnittstelle ist Gespräch.
Die Fähigkeit, die dich mit KI wirksam macht, ist nicht Programmieren. Es ist Klarheit: Was willst du wirklich? Welche Frage hilft weiter? Wie ordnest du dein Denken, damit das Modell folgen kann?
Das ist Kommunikation.
Die Menschen, die am meisten aus KI herausholen, verstehen nicht unbedingt die Technologie am besten. Sie wissen, wie man im Gespräch ist – mit Teams, mit Kunden, und ja, mit Maschinen.
Zwei Engpässe, ein Ziel – je nach Unternehmensgrösse
Unsere Daten zeigen einen weiteren Befund, der in der Schweiz besonders relevant ist.
KMU und Grossunternehmen wollen dasselbe: mehr Beweglichkeit, schnellere Entscheidungen, Raum für Experimente. Aber sie werden von unterschiedlichen Engpässen gestoppt.
Für KMU (unter 250 Mitarbeitende):
Der grösste Engpass ist Ressourcenmangel – 37.5% nennen das als Hauptproblem.
Die Bereitschaft ist da. Die Beweglichkeit auch. Aber Veränderung konkurriert mit dem Tagesgeschäft um Zeit, Budget und Aufmerksamkeit.
Für grosse Organisationen (250+ Mitarbeitende):
Der grösste Engpass ist Bürokratie und langsame Entscheidungen – 40.0%.
Die Ressourcen sind da. Die Werkzeuge auch. Aber Reibung in der Struktur – Genehmigungsebenen, Silos, Abstimmungsaufwand – bremst alles.
Gleiches Ziel. Unterschiedliche Engpässe. Unterschiedliche Lösungen.
In beiden Fällen gilt: Kommunikation ist das Betriebssystem, das Reibung reduziert.
Dein 5-Schritte-Plan für die nächsten 30 Tage
Egal ob KMU oder Konzern – hier ist, was du konkret tun kannst:
Schritt 1: Finde deine “teuerste” Abstimmungsschleife
Identifiziere eine wiederkehrende Entscheidung, die regelmässig hängt. Frag dich: Wie viele Stunden verbrennen wir hier pro Monat? Bei einem meiner Kunden waren es 12 Stunden pro Woche für eine einzige Freigabe.
Schritt 2: Kläre die Entscheidungsrechte
Bestimme für eine Entscheidung: Wer darf Ja sagen, ohne zu eskalieren? Schreib es auf. Teile es mit allen Beteiligten. Das klingt simpel – aber 80% der Unternehmen haben das nie explizit gemacht.
Schritt 3: Schaffe ein geschütztes Zeitfenster
Blockiere 2 Stunden für Experimente. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. In diesen 2 Stunden testest du neue Werkzeuge, Abläufe oder KI-Anwendungen. Ohne Unterbrechung. Ohne Rechtfertigung. Wenn es funktioniert, blocke die Zeit regelmässig.
Schritt 4: Nutze “Disagree and Commit”
Führe bei der nächsten strittigen Entscheidung folgende Regel ein: Jeder darf widersprechen. Aber wenn entschieden ist, tragen alle mit. Das beendet Endlosschleifen und hält gleichzeitig die Sicherheit für abweichende Meinungen.
Schritt 5: Baue einen Experimentierraum mit Leitplanken
Definiere einen kleinen Bereich, in dem dein Team ohne Genehmigung testen darf. Zum Beispiel: “Alles unter 500 Franken und unter 4 Stunden Zeitaufwand darf ohne Freigabe ausprobiert werden.” Das macht Experimentieren sicher, nicht riskant.Führung heisst Kommunikation aufbauen
Die strategische Empfehlung aus unserer Studie lässt sich auf einen Satz bringen:
Führung im KI-Zeitalter bedeutet, vom Entscheider zum Ermöglicher zu werden.
Das heisst konkret:
Weniger Reibung erzeugen, mehr Handlungsspielraum schaffen.
Selbst KI-Werkzeuge nutzen – nicht delegieren und wegschauen.
Sicheres Experimentieren vorleben, nicht nur erlauben.
Kommunikation ist die Führungsaufgabe. Nicht als “weiches Thema”. Sondern als Betriebssystem, das alles andere erst möglich macht.
Frag dich diese Woche:
Welche eine Abstimmungsschleife kostet uns am meisten Zeit?
Wer darf bei dieser Entscheidung Ja sagen – ohne Eskalation?
Wo könnten 2 geschützte Stunden pro Woche den Unterschied machen?
Kommunikation ist nicht die weiche Fähigkeit, die wir im KI-Zeitalter hinter uns lassen.
Sie ist das Betriebssystem, das uns dorthin bringt.
Die vollständige Culture Compass 2026 Präsentation findest du hier [auf Englisch].
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