Organigramme lösen ein Problem, das 2.000 Jahre alt ist.
Nicht als Metapher. Als Architektur.
Von der römischen Legion bis zum KMU in Buchs oder Schaan: Jede Führungsebene existiert, weil ein Mensch nur 3–8 Personen effektiv koordinieren kann. Das ist keine Managementphilosophie. Das ist eine kognitive Grenze.
Jack Dorsey — Gründer von Twitter, heute CEO von Block, einem US-Fintech mit über 10 Milliarden Dollar Umsatz — hat letzte Woche einen Essay veröffentlicht, der in der Tech-Welt für Aufsehen sorgt. Seine These: KI hebt diese Grenze auf. Block hat deshalb 4.000 Mitarbeitende entlassen und baut die Firma um drei Rollen neu auf: Macher, Verantwortliche, Spieler-Trainer.
Der Aktienkurs stieg 25%. Die Ex-Mitarbeitenden sagen, 95% des KI-generierten Codes brauche menschliche Korrektur.
Wer hat recht? Beide.
🎙️ Du hörst des Newsletter lieber? Hier eine kurze, KI-generierte Audio-Zusammenfassung dieser Ausgabe:
80% Zeitersparnis durch Claude Cowork
Was die Forschung zeigt
Ewens und Giroud von der Columbia Business School haben 3.100 US-Firmen über mehrere Jahre analysiert. Ihr Befund: Nach KI-Einführung sinkt die Zahl der Führungsebenen — messbar, konsistent, unabhängig von der Branche.
Gartner prognostiziert, dass 20% der Unternehmen bis 2026 mehr als die Hälfte ihrer mittleren Management-Stellen mit KI ersetzen werden. Deloitte beobachtet bereits: 42% weniger Stellenausschreibungen für mittlere Führungspositionen seit 2022.
In Deutschland zeigt das IW Köln: 84,5% der KI-nutzenden Unternehmen wollen damit Routinearbeit reduzieren — genau die Arbeit, die Managementebenen ursprünglich koordiniert haben.
Die Richtung ist eindeutig. Aber was bedeutet das für einen Betrieb mit 20, 40 oder 80 Leuten in Vaduz, St. Gallen oder Feldkirch?
Was du von Block nicht übernehmen kannst
Dorseys Experiment ist radikal — und kontextabhängig. Block verarbeitet täglich Millionen Finanztransaktionen. Die Firma hat eine Datenbasis, die einem KMU schlicht fehlt.
Ausserdem: Block kann es sich leisten, wenn Teile brechen. Dein Team nicht.
Und der regulatorische Kontext ist ein anderer. BusinessEurope meldet, dass 55% der europäischen KMU regulatorischen Aufwand als grösste Herausforderung nennen. → BusinessEurope 2026 Die EIB beziffert: 1,8% des KMU-Umsatzes geht allein für EU-Compliance drauf.
Dorsey schreibt kein Playbook für dich. Er beschreibt ein Prinzip.

Das Prinzip — und warum es trotzdem relevant ist
Hierarchie ist ein Informationsprotokoll. Nicht mehr, nicht weniger.
Jede Führungsschicht ist eine Antwort auf die Frage: Wie kommt Kontext von A nach B — ohne dass A und B direkt miteinander reden?
KI verändert diese Antwort. Nicht durch Entlassungen. Durch bessere Informationsarchitektur.
Ethan Mollick von der Wharton School bringt es auf den Punkt: Individuelle KI-Produktivität übersetzt sich nicht automatisch in organisatorische Produktivität. Ein Mitarbeitender, der mit KI dreimal schneller arbeitet, aber sein Wissen für sich behält, bringt dem Unternehmen wenig. Das System muss lernen — nicht nur die Person.
Der diagnostische Test für dein Unternehmen:
Welche Entscheidung wartet gerade — weil der Kontext bei einer einzigen Person steckt?
Wenn deine Antwort “viele” ist, hast du kein Personalproblem. Du hast ein Problem in der Informationsarchitektur.
Was du heute konkret tun kannst — ohne Programmieren
Hier ist, was ich in der Arbeit mit KMU immer wieder sehe: Der grösste Hebel liegt nicht in einem neuen Tool. Er liegt darin, einen bestehenden Engpass systematisch aufzulösen.
Das geht heute. Mit drei Claude-Funktionen, die die meisten KMU noch nicht nutzen.
Schritt 1: Einen Entscheidungsbereich identifizieren
Suche einen Bereich, in dem du selbst oder eine Schlüsselperson regelmässig gefragt wird. Angebote, Kundenfragen, Projektentscheide, Einkaufsprozesse — irgendetwas, wo Dokumente hin- und hergeschoben werden und Antworten auf eine Person warten.
Das ist dein erster Engpass.
Schritt 2: Ein Claude-Projekt einrichten
Claude Projects ist eine Funktion, die du ohne Programmieren nutzen kannst. Du erstellst ein Projekt, lädst relevante Dokumente hoch — Angebotsvorlagen, Richtlinien, Produktbeschreibungen, frühere Entscheide — und gibst dem Projekt eine klare Anweisung, wie es antworten soll.
Ergebnis: Wer eine Frage zu diesem Bereich hat, bekommt eine fundierte Antwort aus dem System.
Schritt 3: Claude Cowork oder Claude Skills ergänzen
Wenn der Engpass komplexer ist (Dateien, die auf dem Desktop liegen; wiederkehrende Aufgaben; mehrmonatige Projekte), dann kommt Claude Cowork ins Spiel. Das Tool arbeitet direkt auf deinem Desktop: es liest Dateien, aktualisiert sie, schreibt Entwürfe, hält Projektstände fest.
Claude Skills ermöglicht es, Wissen immer wieder abzurufen. Nicht als statisches Dokument. Als System, das der KI zur Verfügung steht, wenn sie arbeitet.
Das Ziel dieser drei Schritte ist nicht Automatisierung um der Automatisierung willen. Das Ziel ist: Eine Entscheidung, die heute auf deinem Schreibtisch landet, landet morgen beim System.
Was das in der Praxis bedeutet
Nehmen wir Angebote als Beispiel für einen Engpass: Mitarbeitende fragen immer wieder dieselbe Führungsperson oder fügen Daten aus mehreren Quellen zusammen: Produktdetails, Margen, Sonderkonditionen.
Wir haben ein Claude-Projekt mit allen relevanten Unterlagen eingerichtet. Einmalig, in einem halben Tag. Ohne Programmieren.
Ergebnis nach vier Wochen: 80% weniger Rückfragen in diesem Bereich. Die Führungsperson hat Zeit für Entscheide, die wirklich Urteilsvermögen brauchen.
Das ist kein 18-Monats-Transformationsprogramm. Das ist eine schnelle Massnahme, in einer Woche realisiert.
Nächster Schritt
Welche Entscheidung wartet diese Woche auf dich — und hat die wartende Person den Kontext, um sie selbst zu treffen?
Wenn nicht: Das ist dein erster Engpass. Den können wir gemeinsam angehen.
→ Buch dir 20 Minuten — wir schauen gemeinsam, wo bei dir der grösste Hebel liegt.
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