Tool #6: Gewaltfreie Kommunikation

Wofür?

Das Prinzip der gewaltfreien Kommunikation wurde in den 1960er-Jahren von Marshall Rosenberg (2016) entwickelt. Er setzte sich damals mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung auseinander und half mit seinen Ansätzen, die Rassentrennung in vielen Institutionen zu überwinden. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation, kurz GFK, kann in allen möglichen Bereichen verwendet werden – sei es in der Bildung, im Privaten oder eben, in unserem Fall hier, für Organisationen.

Die GFK unterstützt uns dabei, unsere Perspektive klar zum Ausdruck zu bringen und empathisch zuzuhören. Sie lässt uns erkennen, welche Bedürfnisse und Gefühle unsere Gesprächspartner:innen haben – gerade in Konflikten. Rosenberg spricht dabei von zweierlei Arten Empathie: jene den anderen gegenüber und jene uns selbst gegenüber, der Selbstempathie.

Die GFK dient dazu, Klarheit zu erhalten und Strategien zu entwickeln, die die Bedürfnisse aller Seiten berücksichtigen. Interessant ist, dass die GFK Aspekte der in diesem Buch vorgestellten Entwicklungsperspektive mitaufnimmt – gerade jene der Stufen Grün und Petrol:

  • Die GFK überwindet das moralische Urteilen über den Kommunikationspartner und dessen Verhalten. Sie erlaubt uns also eine Entwicklung hin zur wertungsfreien, völligen Akzeptanz des Gegenübers.
  • Die GFK erlaubt uns, immer in Eigenverantwortung erst auf die eigenen Gedanken, Gefühle, auf unsere Einstellung zu achten. Sie lädt also dazu ein, den Quadranten 1 im Blick zu halten.
  • Mit GFK kann es uns gelingen, uns aus der Bernstein- oder Orange-Entwicklungsebene von Kommunikation hinauszubewegen. Sie fordert ein, dass wir anstelle von Forderungen Bitten äussern. Damit vermeidet sie, dass wir Instruktionen geben, Befehle erteilen (Bernstein) oder die Verantwortung dem Gegenüber geben (Orange).

Beispiel

Nehmen wir an, Sie haben in der Organisation eine problematische Beziehung zu einer Person – sei dies ein Mitarbeiter, eine Teamkollegin oder eine Vorgesetzte. Sie spüren, wie stark sie diese problematische Beziehung belastet, und finden keinen Weg, ohne zu starke Emotionen in ein Gespräch zu gehen. Sie fühlen sich durch das Handeln dieser Person vielleicht bedrängt oder in Ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt. Vielleicht sehen Sie keine konkreten Gründe, die zu dieser Spannung geführt haben, und eine differenzierte Betrachtung fällt noch schwer.

Dann hilft Ihnen die GFK, Beobachtungen von Gefühlen und Bedürfnissen zu unterscheiden und damit mehr Klarheit in die Situation zu bringen.

Worauf es ankommt

Nehmen Sie sich auch für dieses Werkzeug genügend Zeit und Raum – gerade wenn Sie es das erste Mal anwenden. Es hilft, wenn Sie sich nicht in der Hektik des operativen Alltags befinden und in einer Umgebung sind, die Sie inspiriert und Ihnen Freiheit bietet. Notieren Sie Ihre Gedanken schriftlich, das unterstützt Sie in der Reflexion.

Schritt für Schritt

Die Methode der gewaltfreien Kommunikation umfasst vier Schritte: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Beginnen Sie mit einer eigenen Reflexion der vier Schritte. Lassen Sie sich Zeit, damit Klarheit entstehen kann. Haben Sie für sich Klarheit und können Ihre Gefühle dank dieser Klarheit gut wahrnehmen und aushalten, gehen Sie in das Gespräch mit Ihrem Gegenüber. Auch dieses durchläuft exakt die vier Schritte in dieser Reihenfolge:

Schritt 1

Beobachtung: Beschreiben Sie das konkrete Verhalten, die Handlungen Ihres Gegenübers in den problematischen Beziehungen. Werten oder interpretieren Sie dabei nicht. Beschreiben Sie einfach sachlich und nüchtern.

Schritt 2

Gefühl: Sie werden feststellen: Die Beobachtung löst in Ihnen ein Gefühl aus. Dieses könnten Sie auch stark in Ihrem Körper wahrnehmen.

Schritt 3

Bedürfnis: Was könnte die Situation für Sie verbessern? Welches darunterliegende Bedürfnis erkennen Sie? Hier geht es beispielsweise um Sicherheit oder Verständnis. Ihre Bedürfnisse zu erkennen und das Gegenüber einzuladen, auch dessen Bedürfnisse zu artikulieren, weist meist den Weg zu einer kreativen Lösung der Situation.

Schritt 4

Bitte: Damit Ihr Bedürfnis erfüllt werden kann, braucht es die Unterstützung Ihres Gegenübers. Formulieren Sie sanft eine Bitte um eine konkrete Handlung, die Ihr Gegenüber jetzt ausführen kann. Wichtig dabei ist die Machbarkeit zum gegebenen Zeitpunkt. Damit unterscheiden Sie Bitten von Wünschen, die sich mehr auf die Zukunft beziehen und damit im gegebenen Moment wenig dienlich sind.

Rahmenbedingungen

Dauer:     30 Minuten (oder mehr, frei gestaltbar) für die eigene Reflexion; genügend Zeit und ein guter Raum für das Gespräch selbst

Format:    gedanklich selbst ausführen; Reflexion idealerweise schriftlich festhalten

Teilnehmende:  zwei Gesprächspartner:innen Weitere Informationen zum diesem und anderen Tools zur Bewältigung geschäftlicher Herausforderungen mit kommunikativen Mitteln finden Sie im Buch «Kommunikation neu gedacht».

Sind Sie bereit?

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