KI in HR und Compliance: Was heute schon funktioniert

Am Donnerstag kamen rund 30 Personen aus HR, Legal, Compliance und Treuhand zum KI-Café nach Schaan. An zwei konkreten Projekten diskutierten sie, wo KI Unternehmen nützt und wo sie stoppen muss.

Alexander Jeeves, CEO der Jeeves Group, stellte RheinTalent vor. Auf rheintalent.li können Unternehmen bereits kostenlos Stellen erfassen. Kandidatinnen und Kandidaten können ebenfalls kostenlos ein zunächst anonymes Profil anlegen.

Christian Wind, Partner bei Bratschi Rechtsanwälte in Zürich, stellte die AI Compliance-Umfrage 2026 vor. Das gemeinsam von MMIND.ai und Bratschi erarbeitete Whitepaper fasst die Ergebnisse, geeignete Startprozesse und die wichtigsten Governance-Fragen zusammen.

Direkt zu den beiden Projekten:

Die Themen wirkten auf den ersten Blick weit auseinander. In beiden Arbeitsgruppen zeigte sich jedoch dieselbe Grenze: KI kann Informationen ordnen, Fähigkeiten oder Lücken sichtbar machen und einen ersten Entwurf vorbereiten. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.

RheinTalent: Mehr sehen als den Lebenslauf

Ein Lebenslauf bildet nur einen Teil dessen ab, was jemand kann. Jobtitel und Stichworte verstärken dieses Problem. Wer bisher in einer anderen Branche oder Funktion gearbeitet hat, wird leicht übersehen, obwohl die übertragbaren Fähigkeiten passen könnten.

RheinTalent setzt früher an. Talente laden ihren Lebenslauf hoch und ergänzen ihn durch geführte Fragen. Die KI strukturiert Erfahrungen, schlägt mögliche Fähigkeiten vor und erklärt, weshalb ein Profil und eine Stelle zusammenpassen könnten. Motivation und gewünschte Wirkung fliessen ebenfalls ein.

Die Plattform trifft kein Eignungsurteil. Sie soll ein besseres erstes Gespräch vorbereiten.

Genau darüber wurde in der Arbeitsgruppe intensiv gesprochen. Besonders interessant war die Idee, aus dem heutigen Profilprozess stärker ein geführtes KI-Gespräch zu machen. Talente könnten so Erfahrungen sichtbar machen, die in einer klassischen Bewerbung nicht vorkommen.

Gleichzeitig blieb die Grenze klar. Ein guter Matching-Wert sagt nicht, ob zwei Menschen gerne zusammenarbeiten. Deshalb bleiben Kontaktfreigabe und Auswahl menschliche Entscheidungen. Talente starten anonym und geben ihre Kontaktdaten erst frei, wenn sie das möchten.

RheinTalent ist im Beta-Betrieb. Die technische Idee lässt sich bereits testen. Ob daraus bessere Vermittlungen entstehen, müssen reale Unternehmen und Talente zeigen.

Kostenloses Profil auf RheinTalent anlegen

Compliance: Viel Arbeit fällt vor dem Urteil an

Für die AI Compliance Survey 2026 befragten MMIND.ai und Bratschi Compliance-Verantwortliche aus der Schweiz und Liechtenstein. Die Stichprobe ist klein, nicht repräsentativ und enthält überdurchschnittlich viele grössere Organisationen. Sie liefert keine Marktprognose. Sie macht aber konkrete Arbeitsprobleme sichtbar.

81 Prozent verfolgen regulatorische Änderungen noch mit manueller Recherche. Nur 6 Prozent nutzen dafür ein spezialisiertes Werkzeug. Jede zweite Organisation wendet mindestens 20 Stunden pro Woche für manuelle Compliance-Aufgaben auf. 84 Prozent arbeiten mit unstrukturierten Dokumenten. 91 Prozent wünschen sich Unterstützung beim Reporting.

Der Engpass liegt damit häufig vor der juristischen Beurteilung: Websites prüfen, PDFs lesen, Änderungen zuordnen, Excel-Listen pflegen, Nachweise suchen und Berichte in ein einheitliches Format bringen.

KI kann einen Teil dieser Arbeit vorbereiten. Sie kann freigegebene Quellen überwachen, Dokumente vergleichen, Belege zuordnen und einen Berichtsentwurf erstellen. Eine Fachperson muss Relevanz und Bedeutung beurteilen, Lücken prüfen und das Ergebnis freigeben.

75 Prozent der Befragten möchten ihre Daten intern oder in einem hybriden Modell verarbeiten. Das ist kein technisches Detail. Compliance-Unterlagen können Personaldaten, interne Untersuchungen, Mandantendaten oder privilegierte Rechtsinformationen enthalten. Ein nützlicher Ablauf braucht deshalb definierte Quellen, Zugriffsrechte, Protokolle und einen klaren Übergabepunkt an den Menschen.

Das Hindernis hängt von der Organisation ab

In der Arbeitsgruppe mit grösseren Organisationen war die Technik nicht das einzige Problem. Ein Compliance-Verantwortlicher berichtete, dass sein Unternehmen bereits verschiedene KI-Anwendungen getestet habe. Die schwierigere Aufgabe blieb bestehen: Mitarbeitende müssen Compliance im Alltag ernst nehmen.

KI kann Regeln mit Projektdaten vergleichen. Sie kann keine Organisation dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern.

Bei kleineren Treuhandunternehmen und Rechtspraktikern sah es anders aus. Wiederkehrende Abläufe laufen häufig über Excel, E-Mail und einzelne Dokumente. Die Arbeit ähnelt sich von Mandat zu Mandat, doch ein grosses Legal-Tech-Projekt rechnet sich nicht.

Für diese Büros kann ein begrenzter, ordnerbasierter Ablauf der bessere Einstieg sein. Das Team beschreibt den Prozess, legt die zulässigen Quellen fest und markiert die Entscheidungspunkte. Die KI liest freigegebene Dokumente, aktualisiert eine Tabelle und bereitet ein Schreiben oder einen Bericht vor. Eine Fachperson prüft und gibt frei.

Mit einem begrenzten Ablauf beginnen

Geeignete Startaufgaben haben klare Eingaben, ein prüfbares Ergebnis und einen benannten Verantwortlichen. Aus der Umfrage und den Arbeitsgruppen ergeben sich vier besonders plausible Kandidaten:

  • regulatorische Änderungen beobachten und mit dem bisherigen Stand vergleichen

  • Compliance-Berichte aus vorhandenen Unterlagen vorbereiten

  • Anforderungen und vorhandene Nachweise einander zuordnen

  • wiederkehrende Mandats- und Dokumentenprozesse vorbereiten

Keiner dieser Abläufe verlangt, dass eine Maschine das rechtliche oder personelle Urteil übernimmt.

Für einen ersten Test reicht ein kleines Vorgehen:

  1. Eine wiederkehrende Aufgabe mit klaren Eingaben und einem prüfbaren Ergebnis wählen.

  2. Die Daten als öffentlich, intern oder besonders geschützt einstufen.

  3. Festlegen, was die KI vorbereiten darf und wo eine Fachperson übernimmt.

  4. Mit freigegebenen Unterlagen testen und Zeit, Fehler sowie Nacharbeit messen.

So entsteht noch keine vollständige Automatisierung. Es entsteht ein Arbeitsmittel, das ein Team prüfen, verbessern oder auch wieder verwerfen kann.

Das Whitepaper zur AI Compliance Survey

Das Whitepaper enthält die vollständigen Ergebnisse, priorisierte Startaufgaben, ein Prüfraster für Werkzeuge und die Governance-Fragen, die vor einem produktiven Einsatz geklärt werden sollten.

Whitepaper «KI in der Compliance» herunterladen

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Das Team von MMIND.ai

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