Leadership & Work
Cycling is the new golf – wenn Bewegung Gespräche verändert
Ein Construction Ride durchs Seetal zeigte, warum Gespräche in Bewegung offener werden können – und was aktivitätsbasiertes Networking gelingen lässt.
31. August 2026







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Das Rennvelo war letzten Freitag das bessere Networking-Tool.
Der Construction Ride brachte Menschen aus Bau, Immobilien und Infrastruktur bei BASWA acoustic in Baldegg zusammen. Alar Jost hat die Community rund um einen Satz gegründet, der seit Jahren kursiert: Cycling is the new golf.
Der Satz bleibt hängen. Wichtiger ist die Erfahrung dahinter.
Wir fuhren durchs Seetal, rund um den Baldeggersee und über genügend Höhenmeter, um die Strecke alles andere als flach zu machen. Zwischendurch erwischte uns ein ordentlicher Regenguss. Weder die Steigungen noch der Regen taten der Stimmung einen Abbruch. Im Gegenteil: Die Gruppe wurde als Gruppe spürbar.
Warum die Gespräche anders waren
Auf dem Velo fahren zwei Menschen oft lange genug nebeneinander, um über die Einstiegsfrage hinauszukommen. Kein Tisch trennt sie, keine Präsentation wartet auf ihren Beginn. Die Strasse gibt einen Rhythmus vor. Die gemeinsame Anstrengung nimmt dem klassischen Networking einen Teil seiner Verkrampfung.
Auf den längeren Steigungen wurden die Gespräche intensiver, nicht unbedingt länger. Wenn die Luft knapp wird, werden es auch die Worte. Das kann sie direkter machen.
Auf einem Abschnitt erzählte mir Mike Hürlimann, CEO von BASWA acoustic, von den Innovationen des Unternehmens bei fugenlosen Akustiksystemen – und von den Chancen und Herausforderungen, sich als Schweizer KMU im globalen Markt zu behaupten. Wir sprachen auch darüber, welche Rolle KI dabei spielen kann: nicht als abstraktes Transformationsprogramm, sondern in der konkreten Arbeit, internationale Märkte zu finden, zu bedienen und aus ihnen zu lernen.
Dieses Gespräch entstand aus dem Ride. Es brauchte keinen Pitch.
Fünf Bedingungen, damit ein Ride funktioniert
Die Lehre ist nicht, dass jetzt jedes Unternehmen Rennvelos kaufen sollte. Entscheidend ist der andere soziale Rahmen, den gemeinsame Bewegung schafft:
1. Wiederholter Kontakt. Aus einer einmaligen Begegnung kann durch einen regelmässigen Club Vertrautheit entstehen. 2. Gemeinsame Identität. Man begegnet sich zuerst als Fahrerin oder Fahrer – nicht als Titel oder Firmenrolle. 3. Sichtbare Gegenseitigkeit. Tempo anpassen, warten und helfen machen Kooperation unmittelbar erlebbar. 4. Gespräch ohne Verkaufssituation. Die Aktivität liefert einen natürlichen Einstieg und nimmt dem Networking seine Inszenierung. 5. Ein dritter Ort danach. Kaffee, Apéro oder Essen lassen die Beziehung weiterlaufen, wenn die körperliche Anstrengung vorbei ist.
Die Forschung stützt eine vorsichtige Version dieser Interpretation. Ein Scoping Review von 2026 untersuchte 87 Velo-Interventionen in 19 Ländern und fand überwiegend positive Effekte auf verschiedene Dimensionen des Wohlbefindens, darunter soziale Verbundenheit – besonders bei Angeboten draussen und über mehrere Termine. Das beweist nicht, dass ein einzelner Ride Vertrauen oder geschäftlichen Erfolg erzeugt. Es spricht aber dafür, dass Bewegung im Freien, soziale Gelegenheiten und eine sinnvolle Routine gute Bedingungen für Verbindung schaffen können.
Der Inklusionstest
«Cycling is the new golf» ist nur dann eine gute Idee, wenn das Velofahren nicht die alten Grenzen des Golfplatzes übernimmt.
Ausrüstung, Tempo, Selbstvertrauen und ungeschriebene Gruppenregeln können abschrecken. Ein guter Social Ride braucht deshalb ein klares Tempo, Sammelpunkte, Unterstützung für Einsteigerinnen und Einsteiger – und eine Kultur, in der Warten zum Ride gehört und nicht als Versagen gilt.
Das gilt auch für Running Clubs und andere bewegungsbasierte Communities. Gemeinsame Anstrengung kann Statusunterschiede kleiner machen. Aber nur, wenn das Format Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen mitnimmt.
Was bleibt
Der beste Teil des Tages war kein formelles Networking-Ergebnis. Es war die Verbindung aus Natur, Anstrengung, Regen, Gesprächen und dem abschliessenden Gang in die Badi am Baldeggersee.
Danke an Mike Hürlimann, der den Ride in Baldegg ins Leben gerufen und BASWA acoustic für uns geöffnet hat; an Alar Jost für die Gründung von Construction Ride; und an alle, die Tempo gemacht, gewartet, geklettert und geredet haben.
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Die Frage, die ich mit in die Woche nehme: Wo entstehen eure besten beruflichen Gespräche, wenn gerade niemand versucht zu netzwerken?