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AI & Innovation

Was ein KMU an einem Tag mit KI bauen kann

Im Abschlussworkshop mit Dockyard Ventures in Bozen entstanden vier wiederverwendbare KI-Skills und zwei klickbare Prototypen. Der eigentliche Erfolg lag nicht in der Menge, sondern in der Übersetzung von eigenem Prozesswissen in nutzbare Werkzeuge.

28. August 2026

Hartmut Hübner mit drei Mitgliedern des Dockyard-Ventures-Teams nach dem KI-Workshop in Südtirol

Was kann ein kleines oder mittleres Unternehmen in einem eintägigen KI-Workshop realistisch erreichen? Im Fall von Dockyard Ventures waren es vier getestete KI-Skills und zwei klickbare Prototypen: eine neue Website und eine mobile Zeiterfassung.

Das klingt nach Geschwindigkeit. Entscheidend war jedoch etwas anderes: Das Team hat sein eigenes Prozesswissen, seine Qualitätsregeln und konkrete Reibungen aus dem Arbeitsalltag in nutzbare Werkzeuge übersetzt.

Der Workshop am 27. August 2026 in Bozen war zugleich der Abschluss unseres gemeinsamen MMIND Erasmus+ Projekts. Am Ende des Tages war die Begeisterung im Raum deutlich spürbar. Nicht, weil eine KI eine spektakuläre Demo geliefert hatte. Sondern weil aus vertrauten Problemen etwas Eigenes entstanden war, das sich öffnen, testen und weiterentwickeln lässt.

Was ist an einem Tag entstanden?

  • vier wiederverwendbare KI-Skills für Venture Initiation, Präsentationen, Wissensmanagement und Content
  • ein klickbarer Prototyp für einen neuen Unternehmensauftritt
  • ein klickbarer Prototyp für die mobile Zeiterfassung
  • klare Verantwortliche und ein nächster Praxiseinsatz für jedes Ergebnis

Die Skills wurden im Team gebaut und an konkreten Aufgaben getestet. Die beiden Anwendungen entstanden anschliessend in Vibe-Coding-Sessions mit Lovable. Sie sind Workshop-Prototypen, noch keine freigegebenen Produktivsysteme.

Warum der Workshop nicht mit einem KI-Tool begann

Viele KI-Workshops starten mit Funktionen. Ein Chatbot fasst ein Dokument zusammen, erzeugt ein Bild oder schreibt einen Text. Das kann beeindrucken. Am Montag beginnt trotzdem oft wieder derselbe Arbeitsalltag.

Wir haben die Reihenfolge umgedreht. Die erste Frage lautete nicht: «Was kann Claude?» oder «Was können wir mit Lovable bauen?»

Sie lautete: Welche wiederkehrende Arbeit kostet euch heute Zeit, und woran erkennt ihr ein gutes Ergebnis?

Die Antworten waren konkret. Workshop-Präsentationen beginnen häufig mit Notizen, Post-its oder einem Sprachbriefing. Wissen liegt in Notion, SharePoint, persönlichen Sammlungen, Screenshots und Sprachmemos. Beiträge sollen nach Dockyard klingen, auf echten Beobachtungen beruhen und keine vertraulichen Projektdetails verraten.

Auch die Anwendungen hatten einen geschäftlichen Ausgangspunkt. Die bestehende Website lässt sich nur mit Aufwand aktualisieren. Bei der Zeiterfassung erzeugen Nachträge, Prüfungen, Exporte und eine separate Excel-Datei zusätzlichen Aufwand im Monatsabschluss.

Das sind keine abstrakten «AI Use Cases». Es sind bekannte Reibungen im eigenen Betrieb.

Welche vier KI-Skills hat Dockyard gebaut?

Ein KI-Skill ist hier kein besonders langer Prompt. Er ist ein kleines, wiederverwendbares Arbeitssystem. Darin stehen Auslöser, benötigte Unterlagen, Ablauf, Qualitätsregeln, Grenzen und das erwartete Ergebnis.

Venture Initiation

Dieser Skill bildet Dockyards Methode ab, mit der ein Team von einem Suchfeld über Zielkunde, Nutzenversprechen und Geschäftsmodell zu Prototyp und Validierungsplan kommt. Er muss klar trennen, was das Team entschieden hat und was nur ein Vorschlag der KI ist.

Präsentationen

Aus Notizen, Sprachbriefings oder Workshopmaterial entsteht ein PowerPoint-Erstentwurf im richtigen Master. Der Skill kennt nicht nur den Ablauf, sondern auch das Qualitätsurteil: klare Geschichte, korrekte Gestaltung, keine doppelten Folien oder technischen Überläufe und eine Sprache, die zur präsentierenden Person passt.

Wissensmanagement

Lose Notizen, Links, Screenshots und Sprachmemos werden zu standardisierten Wissenskarten mit Quelle, Datum, Schlagworten und Freigabestatus. Dockyards eigener Goldstandard hat Vorrang. Externe Recherche darf die eigene Methode nicht still überschreiben.

Content

Aus einer realen Beobachtung, einem freigegebenen Foto oder einer Veranstaltung entsteht ein veröffentlichungsnaher Beitrag. Der Skill prüft Stil, Fakten, Vertraulichkeit und Relevanz. Automatisch veröffentlicht wird nichts.

Wann reicht ein Skill und wann braucht es eine App?

Ein Skill passt, wenn eine Person mit KI an Dateien arbeitet und dabei eine wiederkehrende Methode befolgt. Er kann Vorarbeit übernehmen, Qualitätsregeln anwenden und einen überprüfbaren Entwurf liefern.

Eine App wird sinnvoll, wenn mehrere Menschen dieselben Daten sehen müssen, Rollen und Rechte wichtig sind oder ein Ablauf auch ohne das KI-Werkzeug funktionieren soll.

Diese Unterscheidung verhindert zwei typische Fehler: aus jedem Problem sofort ein Softwareprojekt zu machen oder jeden Teamprozess in einen Chat zu pressen.

Welche zwei Prototypen wurden entwickelt?

Der Website-Prototyp macht das Angebot auf Mobilgeräten schnell verständlich und soll Änderungen ohne Agentur ermöglichen. Er zeigt bereits eine Grundstruktur mit Nutzen, Leistungen, Methode, Team und Kontakt. Positionierung, finale Inhalte, Datenschutz, Weiterleitungen und Tracking müssen vor einer Veröffentlichung geprüft werden.

Der zweite Prototyp bildet eine mobile Zeiterfassung ab. Zeiten werden Kunde, Projekt und Aufgabe zugeordnet, als verrechenbar oder nicht verrechenbar markiert und für den Monatsabschluss prüfbar gemacht. Die komplexe Vergütungsberechnung wurde bewusst nicht umgesetzt. Ihre Regeln müssen zuerst mit anonymisierten Daten und Testfällen verifiziert werden.

Vibe Coding war damit nicht der Anfang des Denkens. Es war die Übersetzung eines bereits geklärten Problems in eine sichtbare und diskutierbare Oberfläche.

Wie lässt sich die KI-Werft in einem anderen KMU wiederholen?

  • Das Team bringt einen echten Ablauf und dazugehörige Unterlagen mit.
  • Es beschreibt, wo die Arbeit stockt und woran es ein gutes Ergebnis erkennt.
  • Erst danach strukturiert KI den Prozess, die Regeln und die offenen Fragen.
  • Ein kleiner Skill oder Prototyp wird mit einem echten oder anonymisierten Fall getestet.
  • Für jedes Ergebnis werden Eigentümer, Speicherort und erster Praxiseinsatz festgelegt.

Der sichtbare Workshop-Tag braucht Vorbereitung. Ohne reale Unterlagen, geklärte Zugänge und passende Testfälle würde viel Zeit mit Suchen und Einrichten verloren gehen.

Was ist nach einem Tag noch nicht fertig?

Ein klickbarer Prototyp ist keine produktive Anwendung. Rollen, Authentifizierung, Datenschutz, reale Daten, Integrationen und Tests gehören in kontrollierte Folgeschritte.

Auch ein Skill beweist seinen Wert erst im nächsten echten Auftrag. Er muss zuverlässig gute Vorarbeit liefern, Grenzen erkennen und die menschliche Prüfung einfacher machen. Die fachliche Entscheidung bleibt beim Team.

Das Ziel eines solchen Tages ist deshalb nicht, sechs fertige Produkte zu versprechen. Das Ziel ist, abstrakte KI-Diskussionen durch eigene, überprüfbare Arbeitsmittel zu ersetzen.

Häufige Fragen zur KI-Werft

Was ist ein KI-Skill?

Ein KI-Skill verpackt einen wiederkehrenden Arbeitsablauf mit Kontext, Quellen, Regeln, Grenzen und Ausgabeformat. Dadurch muss ein Team die Aufgabe nicht bei jeder Nutzung neu erklären.

Was bedeutet Vibe Coding im Workshop?

Vibe Coding bezeichnet hier das Erstellen eines klickbaren Software-Prototyps über natürlichsprachliche Anforderungen. Im Workshop wurden die zuvor geklärten Prozesse mit Lovable in sichtbare Oberflächen übersetzt.

Kann jedes KMU an einem Tag eine App bauen?

Ein gut vorbereitetes Team kann an einem Tag einen klar begrenzten Prototyp entwickeln und testen. Ob daraus eine produktive Anwendung wird, hängt von Daten, Sicherheit, Integrationen, Regeln und weiteren Tests ab.

Was ist ein sinnvoller erster Schritt?

Beginne nicht mit einer Liste von KI-Tools. Wähle einen wiederkehrenden Ablauf, der Zeit kostet, und beschreibe konkret, was ein gutes Ergebnis ausmacht. Daraus lässt sich entscheiden, ob ein Skill, eine App oder eine einfachere Prozessänderung sinnvoll ist.

Möchtest du das mit deinem Team ausprobieren?

Eine KI-Werft lässt sich auf andere Unternehmen und Teams übertragen. Die Ergebnisse werden anders aussehen, weil jedes Unternehmen mit den eigenen Abläufen, Unterlagen und Qualitätsregeln arbeitet.

Schreib mir, welcher wiederkehrende Ablauf euch heute am meisten Zeit kostet. Dann schauen wir gemeinsam, was sich mit deinem Team an einem Tag sinnvoll bauen und testen lässt.