Tool #1: Wertschätzende Erkundung

Tool #1: Wertschätzende Erkundung

Wofür?

Die wertschätzende Erkundung (engl. appreciative inquiry) kommt meist als

Grossgruppenmethode zum Einsatz, um eine positive und optimistische Grundhaltung bei Individuen und in Teams zu fördern. Im Vordergrund steht die Wertschätzung des Besten im Menschen (als Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen, Verhandlungspartner:innen etc.) – sowohl in Bezug auf die Vergangenheit und die Gegenwart als auch beim Aufspüren von Potenzialen, die Inspiration für die Zukunft liefern. Bei der Erkundung geht es um das Stellen von Fragen, die es erlauben herauszustellen, was bereits gut funktioniert und in welchen Bereichen sich die Gesprächssituation öffnen lässt für Neues bzw. auch, wie sich das Neue zeigen könnte.

Beispiel

Ein IT-Entwicklungsteam wird im Rahmen einer Reorganisation über mehrere

Standorte hinweg neu zusammengestellt. Mitarbeitende mit diversen Hintergründen kommen zusammen und erhalten die Aufgabe, im Rahmen eines Kulturprojekts die Zusammenarbeit neu zu organisieren. Die Herausforderung besteht darin, dass die Standorte und Teams bereits unterschiedliche Erfahrungen mit Transformationen ähnlicher Art gesammelt haben: Einige Teammitglieder fühlen sich von dem nächsten Strategieprogramm schlichtweg überrollt – andere fühlen sich unsicher, welche Form von Zusammenarbeit sich das Management letztlich wünscht. Eine wertschätzende Erkundung erlaubt es den Teilnehmenden, sich auf positive Aspekte der Zusammenarbeit zu fokussieren und eine optimistische Grundhaltung zum bevorstehenden Projekt einzunehmen.

Die Methode eignet sich für Situationen, in denen Menschen neu für eine Zusammenarbeit zusammenkommen, aus der heraus Neues entstehen soll – in virtuellen Teams genauso wie am Verhandlungstisch.

Worauf es ankommt

  • Die wertschätzende Erkundung fokussiert ausschliesslich auf das Positive: Stärken, die Mitarbeitende und die Organisation auszeichnen, und Topleistungen, die Teams bereits erreicht haben.
  • Kritische Aspekte werden nicht beleuchtet, was die wertschätzende Erkundung von anderen Grossgruppenmethoden wie dem Open Space unterscheidet.
  • Gerade in angespannten Teams besteht durch eine wertschätzende Erkundung die Chance, eine ermutigende Grundstimmung zu schaffen: Es geht darum, die Aufmerksamkeit aller Organisationsmitglieder auf das Positive auszurichten.
  • In Zeiten von VUCA und Pandemie herrscht in vielen Organisationen eine Kommunikation über negative Aspekte vor – mit drastischen Folgen: Denn das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, nimmt zu. Somit beginnen sich die Geschichten zu bewahrheiten, die wir uns selbst erzählen.
  • Umgekehrt belegen zahlreiche Studien, dass Kulturen immer dann aufblühen, wenn sie sich ein positives Bild von sich selbst und ihrer Zukunft machen. Bei der wertschätzenden Erkundung geht es darum, eine positive Grundhaltung und Grundüberzeugung im Umgang mit Menschen, Gruppen und sozialen Systemen zu schaffen.

Schritt für Schritt

Schritt 1

Discovery (Erkennen und Verstehen): Im ersten und oft entscheidenden Schritt geht es darum, die Geschichte und die Gegenwart der Organisation wertschätzend zu erkunden. Im Mittelpunkt stehen Emotionen, die zu Verbundenheit und Zugehörigkeit führen – aufgehängt an einem kraftvollen, gleichzeitig anspruchsvollen Kernthema, wie zum Beispiel »Kultur der Zusammenarbeit für gestärkten Kundenfokus«.

Schritt 2

Dream (Zukunftsbild entwerfen): In diesem Schritt ist Träumen erlaubt: Die besten Beispiele, sozusagen die Juwelen der Geschichte und Gegenwart der Organisation, werden zu einem Zukunftsbild zusammengesetzt.

Schritt 3

Design (Zukunftsbild konkretisieren): Mit diesem Schritt beginnt die eigentliche Arbeit an der Zukunft. In der Design-Phase werden die Beispiele der Dream-Phase zu konkreten Zukunftsbildern weiterentwickelt – oft in Form von Zeichnungen, Fotos, Modellen oder ausformulierten Zukunftsaussagen.

Schritt 4

Destiny (Umsetzen): In Schritt 4 steht die Frage im Fokus, woran konkret gearbeitet werden muss, um das Zukunftsbild Wirklichkeit werden zu lassen.

Die wertschätzende Erkundung mündet in Projektarbeit – ausgerichtet auf ein gemeinsames Ziel mit einem positiven Anspruch an Verbundenheit.

Musterfragen für die Discovery-Phase

  • Wie kamen Sie zu dieser Organisation – und was hat Sie besonders zu dieser Organisation hingezogen?
  • Was waren Ihre ersten Eindrücke? Was hat Sie von Beginn an begeistert?
  • Bei allen Höhen und Tiefen, die Sie bereits erlebt haben: Welches ist Ihre herausragende positive Erfahrung?
  • Erzählen Sie bitte eine Geschichte, die Folgendes beinhaltet:
    • Was ist genau geschehen? Welche Personen sind in diesem Zusammenhang wichtig und warum?
    • Wie zeigt sich an diesem Beispiel das Beste, was die Organisation aktuell kann?
    • Auf welche Faktoren kommt es an, um dieses Beispiel zu etwas Besonderem zu machen?

Rahmenbedingungen

Dauer:     ca. 1 Tag (bzw. 4 x 2 Stunden)

Format:    virtuell (z. B. Videokonferenz begleitet durch virtuelles Whiteboard) oder persönlich

Teilnehmende:  Grossgruppe oder einzelne Teams

Weitere Informationen zum diesem und anderen Tools zur Bewältigung geschäftlicher Herausforderungen mit kommunikativen Mitteln finden Sie im Buch

«Kommunikation neu gedacht».

Sind Sie bereit?

Wir sind froh, dass Sie gefragt haben! Vereinbaren Sie direkt einen Termin mit uns, um diesen wichtigen ersten Schritt des Innovationsprozesses zu beginnen – die Bedarfsanalyse. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die Herausforderungen zu meistern und die digitale Innovation in Ihrem Unternehmen voranzutreiben.

Unser Blog

Neuester Beitrag

Führungs:Impulse #3: KI für mehr Produktivität im Unternehmen

Hallo, Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde: Die Chancen sind riesig – und gleichzeitig gilt es, die Technologie verantwortungsvoll einzusetzen. Der Einsatz von KI beschränkt sich längst nicht mehr darauf, lustige Texte, Bilder und Videos zu genieren. Vielmehr ermöglichen KI-Lösungen, auch Denk- und Wissensarbeit zu automatisieren oder zu erweitern. Sie können Ideen generieren, Vorschläge […]

Tool #21: Nachhaltigkeits-Canvas

Tool #21: Nachhaltigkeits-Canvas

Wofür? Um komplexe Fragestellungen rund um das Thema Nachhaltigkeit zu beantworten, kommt es in erster Linie darauf an, auf Augenhöhe zu kommunizieren – zwischen Anbietern und Kunden ebenso wie zwischen Management und Mitarbeitenden. Hintergrund ist: In der Regel haben die Beteiligten noch keine Lösung in der Tasche – es geht darum, sich im gegenseitigen Austausch […]

Tool #20: Flow Journey

Tool #20: Flow Journey

Wofür? Die Flow Journey kann Ihr Team dabei unterstützen, Integralität zu leben, individuellen und kollektiven Flow bei der Arbeit zu finden und Zusammenarbeit und Resilienz nachhaltig und langfristig zu stärken. Der Bewusstseinswandel soll nicht von oben verordnet werden, sondern aus einer individuellen intrinsischen Motivation der Mitarbeiter:innen heraus. Wie wir festgestellt haben, ist körperliche Bewegung ein […]