AI & Innovation
Wie KI-Communities voneinander lernen: Manchester und Liechtenstein
Was zwei Gespräche in Manchester über Co-Produktion, regionale Zusammenarbeit und die konkreten KI-Fragen von KMU zeigen.
26. September 2026








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KI-Communities lernen voneinander, wenn sie eine konkrete Aufgabe gemeinsam untersuchen: Wie wird sie heute erledigt? Was hat ein KI-Versuch verbessert, wo lag der Fehler und wer konnte ihn erkennen? Erst mit diesen Informationen lässt sich ein Ansatz in einer anderen Region sinnvoll testen und anpassen.
Zwei Gespräche in Manchester haben mir das in dieser Woche deutlich gemacht. Am 23. September sprach ich an der Manchester Metropolitan University über ihre Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen. Am nächsten Morgen sass ich beim pro-manchester-Panel «Using AI Safely and Effectively in Your Business» an der University of Salford. Rund 70 Menschen nahmen teil.
Der Veranstaltungsort war für mich persönlich besonders. Vor über 20 Jahren schrieb ich an der University of Salford meine Promotion. Der Campus hat sich seither stark verändert. Das neue Gebäude des Greater Manchester Institute of Technology verbindet Universität, Colleges und Arbeitgeber, damit technische Bildung an den Fähigkeiten ansetzt, die Unternehmen in der Region brauchen. Genau darum ging es auch in unserer Diskussion über KI: Wissen muss bei der Arbeit ankommen.
In Manchester entsteht KI-Kompetenz gemeinsam
Manchester Met hat die Unterstützung für KMU über mehrere Programme hinweg entwickelt. Im Gespräch beschrieben die Beteiligten den Weg vom Cyber Foundry über den AI Foundry und das Centre for Digital Innovation zu aktuellen KI-Angeboten. Forschung, technische Fachleute und Unternehmen arbeiten dabei an Geschäftsideen und in bestimmten Formaten an Prototypen. Die Universität beschreibt ihre Unterstützung für digitale Innovation öffentlich.
Besonders interessierte mich der Responsible AI SME Charter. Laut unserem Gespräch haben Unternehmen und Community-Gruppen an seiner Entwicklung mitgewirkt. Manchester Met bietet dazu ein zweitägiges Programm an, in dem Betriebe verantwortlichen KI-Einsatz auf ihre Praxis beziehen. Im Gespräch fiel ein Satz, der mir geblieben ist: «I don't think you build trust unless you actually go on the journey with people.»
Co-Produktion bedeutet hier mehr als Rückmeldungen zu einem fertigen Konzept einzuholen. Unternehmen, Forschende und Menschen, die von einer Anwendung betroffen sind, bringen unterschiedliche Erfahrungen ein. Sie können gemeinsam klären, welche Aufgabe sich lohnt, welche Risiken übersehen werden und woran ein brauchbarer Versuch zu erkennen ist.
Andere Region, ähnliche Fragen
Ich stellte beim Treffen EDIH.li vor. Wir bauen den Hub in Liechtenstein auf, damit KMU eine erste KI-Aufgabe eingrenzen, passende Fach- und Technikpartner finden und europäische Unterstützung praktisch nutzen können. In einem kleinen Wirtschaftsraum sind die Wege zwischen Unternehmen, Expertinnen und Experten und öffentlichen Stellen kurz. Zugleich arbeiten viele Unternehmen über Grenzen und unterschiedliche Anforderungen hinweg.
Manchester bringt langjährige Forschung und Erfahrung aus regionalen KMU-Programmen ein. EDIH.li kann Erfahrungen aus Liechtenstein und dem europäischen Netzwerk der Digital Innovation Hubs beitragen. Ein Austausch wäre nur dann nützlich, wenn beide Seiten zeigen, was unter ihren jeweiligen Bedingungen funktioniert und was nicht. Wir haben Möglichkeiten dafür besprochen; ein gemeinsames Projekt wurde nicht vereinbart.
Welche Fragen bewegen KMU tatsächlich?
Auf dem Panel in Salford begann die Diskussion mit einem kleinen, aufschlussreichen Fehler: Eine Auskunft von Copilot zu Förderregeln für Ausbildungsplätze klang sicher, beruhte aber auf den Regeln des Vorjahres. Die Mitarbeiterin der Universität entdeckte das, weil sie die Quelle hinterfragte.
Ich berichtete von Interviews mit Compliance-Verantwortlichen. Viel Zeit fliesst dort in die Suche nach aktuellen Regeln, das Sammeln von Informationen und die Vorbereitung von Berichten. KI könnte einen Teil dieser Vorbereitung übernehmen. Ob daraus ein Nutzen entsteht, hängt auch davon ab, ob Fachleute die Quellen prüfen und anschliessend mehr Zeit für Beratung und Entscheidungen haben.
Naomi Timperley fasste den Ausgangspunkt des Panels knapp zusammen: «Map what actually happens.» Wo werden Daten doppelt erfasst? Wo wartet jemand auf eine Information? An welcher Stelle braucht es fachliches Urteil? Und eine Frage aus dem Publikum ging noch weiter: Wie sollen Berufseinsteiger KI-Ergebnisse später kritisch prüfen, wenn sie die fachlichen Grundlagen nicht mehr durch eigene Arbeit lernen?
Das sind Fragen, die KMU bei einem ersten KI-Versuch beantworten müssen. Sie betreffen Arbeitsabläufe, Daten, Qualität, Verantwortung und Fähigkeiten. Ein neues Werkzeug allein beantwortet keine davon.
Ein Arbeitsablauf als gemeinsamer Lerngegenstand
Mein Vorschlag für einen Austausch zwischen Manchester und Liechtenstein beginnt mit einem realen, dafür freigegebenen Arbeitsablauf. Ein KMU beschreibt die Aufgabe, die beteiligten Personen und den bisherigen Aufwand. Das Team dokumentiert, was es mit KI versucht hat, welche Daten es verwenden durfte, wer das Ergebnis prüfte und welche Korrektur nötig war. Eine zweite Community untersucht, ob der Ansatz unter ihren Bedingungen trägt, und berichtet zurück, was sie ändern musste.
Für den ersten Versuch helfen vier Fragen:
1. Was wird heute tatsächlich getan? Lassen Sie sich den Ablauf von den Menschen zeigen, die ihn ausführen. 2. Welches Ergebnis soll besser werden? Wählen Sie eine Qualität, die sich am fertigen Arbeitsergebnis prüfen lässt. 3. Welche Grenzen gelten? Klären Sie Daten, Quellen, Freigaben und die fachliche Prüfung vor dem Test. 4. Was geben wir weiter? Dokumentieren Sie auch Fehler, Korrekturen und die Bedingungen, unter denen der Ansatz nicht funktioniert.
So kann Erfahrung zwischen KI-Communities reisen, ohne aus einem lokalen Versuch ein allgemeines Erfolgsversprechen zu machen. Wenn Sie in einem KMU oder einem regionalen KI-Ökosystem an einem solchen Austausch interessiert sind, kommen Sie über EDIH.li mit uns ins Gespräch. Die konkrete Aufgabe und mögliche Unterstützung klären wir gemeinsam.
Zur Einordnung
Dieser Text beruht auf meinen Gesprächen an der Manchester Metropolitan University und beim pro-manchester-Panel vom 24. September 2026. Die kurzen Zitate stammen aus automatisch erstellten Gesprächstranskripten und wurden anhand des Gesprächszusammenhangs geprüft. Die verlinkten Universitäts- und Veranstaltungsseiten belegen die öffentlich beschriebenen Programme und den Anlass. Der vorgeschlagene regionale Austausch ist meine Idee, kein angekündigtes oder bereits evaluiertes Kooperationsprojekt. Die Fotos zeigen die Veranstaltung und meinen Besuch in Salford; sie dokumentieren keine Wirkung eines KI-Programms.