AI & Innovation
Was beim KI-Café sichtbar wurde: KI in Recruiting und Compliance
Beim KI-Café in Schaan trafen HR, Legal, Compliance und Treuhand auf zwei konkrete Systeme: RheinTalent und kontrollierte KI-Workflows für Compliance. In beiden Fällen gilt dieselbe Grenze: KI bereitet vor, Menschen entscheiden.
23. August 2026




Am 20. August kamen Menschen aus HR, Legal, Compliance und Treuhand zum KI-Café nach Schaan. Im Mittelpunkt standen keine allgemeinen Zukunftsversprechen, sondern zwei Systeme, die sich bereits konkret prüfen lassen: RheinTalent und KI-gestützte Arbeitsabläufe für Compliance.
Die Themen wirkten zunächst weit voneinander entfernt. In beiden Arbeitsgruppen zeigte sich jedoch dieselbe Grenze: KI kann Informationen ordnen, Fähigkeiten oder Lücken sichtbar machen und einen ersten Entwurf vorbereiten. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.
RheinTalent soll ein besseres erstes Gespräch vorbereiten
Alexander Jeeves, CEO der Jeeves Group, stellte RheinTalent vor. Unternehmen können auf der Plattform Stellen erfassen. Kandidatinnen und Kandidaten können zunächst anonym ein Profil anlegen.
Ein Lebenslauf zeigt nur einen Teil dessen, was jemand kann. Jobtitel und Stichworte verstärken dieses Problem. Wer bisher in einer anderen Branche gearbeitet hat, wird leicht übersehen, obwohl übertragbare Fähigkeiten passen könnten.
RheinTalent setzt deshalb früher an. Die KI strukturiert Erfahrungen, schlägt mögliche Fähigkeiten vor und erklärt, weshalb ein Profil und eine Stelle zusammenpassen könnten. Motivation und gewünschte Wirkung fliessen ebenfalls ein.
Die Plattform trifft kein Eignungsurteil. Kontaktfreigabe und Auswahl bleiben menschliche Entscheidungen. Ein Matching-Wert kann ein Gespräch vorbereiten, aber nicht vorwegnehmen, ob Menschen gut zusammenarbeiten.
In der Compliance liegt der Engpass oft vor dem Urteil
Christian Wind, Partner bei Bratschi Rechtsanwälte in Zürich, stellte die AI Compliance Survey 2026 vor. Die ausführliche Erhebung ist explorativ und keine Marktprognose. Sie macht jedoch konkrete Arbeitsprobleme sichtbar.
Viele Teams verbringen erhebliche Zeit damit, Websites und PDFs zu prüfen, Änderungen zuzuordnen, Excel-Listen zu pflegen, Nachweise zu suchen und Berichte in ein einheitliches Format zu bringen. Der Engpass liegt damit häufig vor der juristischen Beurteilung.
KI kann freigegebene Quellen überwachen, Dokumente vergleichen, Belege zuordnen und einen Berichtsentwurf erstellen. Eine Fachperson muss weiterhin Relevanz und Bedeutung beurteilen, Lücken prüfen und das Ergebnis freigeben.
Aus der Erhebung und den Arbeitsgruppen ergeben sich vier sinnvolle Startpunkte:
- regulatorische Änderungen beobachten und mit dem bisherigen Stand vergleichen
- Compliance-Berichte aus vorhandenen Unterlagen vorbereiten
- Anforderungen und vorhandene Nachweise einander zuordnen
- wiederkehrende Mandats- und Dokumentenprozesse vorbereiten
Klein anfangen, aber richtig messen
Für einen ersten Test braucht es kein Grossprojekt:
- Eine wiederkehrende Aufgabe mit klaren Eingaben und einem prüfbaren Ergebnis wählen.
- Die Daten als öffentlich, intern oder besonders geschützt einstufen.
- Festlegen, was die KI vorbereiten darf und wo eine Fachperson übernimmt.
- Mit freigegebenen Unterlagen testen und Zeit, Fehler sowie Nacharbeit messen.
So entsteht noch keine vollständige Automatisierung. Es entsteht ein Arbeitsmittel, das ein Team prüfen, verbessern oder auch wieder verwerfen kann.
Das neue Whitepaper dokumentiert die Erhebung, priorisierte Startaufgaben, ein Prüfraster für Werkzeuge und die Governance-Fragen vor einem produktiven Einsatz.
Zum Whitepaper und zur Umsetzung
Das KI-Café hat damit keine einfache Antwort geliefert. Es hat etwas Nützlicheres gezeigt: Gute KI-Systeme ersetzen das menschliche Urteil nicht. Sie schaffen bessere Voraussetzungen dafür.